jeudi 20 juillet 2017

Zeitgeschehen

Heutige Eliten gäben sich zwar liberal und fortschrittlich, stünden dem Volk, für das sie einzutreten versprechen, aber misstrauisch gegenüber und praktizierten eine Art aufgeklärten Absolutismus. Abgeschottet in einem Echoraum mit Gleichgesinnten hätten sie vergessen, wie es draußen zugeht.

Wer aber die Demokratie und eine aufgeklärte Gesellschaft verteidigen will, muss nach Liessmanns Ansicht den artikulierten Wählerwillen auch der sogenannten Populisten ernst nehmen. "Manchmal ist das Volk klüger, als die Gebildeten unter seinen Verächtern glauben."

Konrad Paul Liessmann ist Philosoph mit Lehrstuhl an der Universität Wien für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik und veröffentlicht Essays und Bücher, zuletzt 2016 bei Hanser zusammen mit Michael Köhlmeier 'Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Mythologisch-philosophische Verführungen'.

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Das Bildungssystem diversifiziert trotz aller Gleichheitsrhethorik mehr denn je, und ich denke, rein soziologisch betrachtet, haben wir schon in den letzten Jahren, Jahrzehnten die Beobachtung zu machen, dass sich die Gesellschaft, die ja sehr lange daraufhin zu steuern schien, gleich so eine universelle Mittelschicht hervorzubringen, dass die sich wieder wesentlich stärker beginnt, zu diversifizieren, und manche Soziologen, auch mit linkem Hintergrund, sprechen ja schon wieder von einer Wiederkehr der Klassengesellschaft.

Wenn das richtig sein sollte, dann gibt es natürlich diese Differenz zwischen Funktions- und Führungs- und Meinungseliten auf der einen Seite und der Befindlichkeit, dem Denken und Fühlen breiter Bevölkerungsteile auf der anderen Seite. Polemisch und politisch prekär und gefährlich wird es dann natürlich, wenn sich jemand anmaßt, immer im Namen des gesamten Volkes zu sprechen. Das ist in einer politischen Demokratie überhaupt unsinnig, von allem Anfang an.

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