Ich hätte es ahnen können, dass mit dieser Firma etwas nicht stimmt. Als ich meinen VW vor ein paar Jahren in Hannover abholte, war der Autobauer so nett, mir einen ganzen Liter Kraftstoff zu schenken, damit ich bis zur nächsten Tankstelle komme.
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Mein Caddy war eigenwilliger. Schon bald blieb er auf der Autobahn zwischen Leipzig und Berlin stehen. Motorschaden. Injektor kaputt. Damals wusste ich nicht, was ein Injektor ist, heute könnte ich einen Aufsatz über den Injektor schreiben, denn nichts scheint anfälliger zu sein in einem VW Caddy als der Injektor, der den Kraftstoff aus dem Vorhof der Hölle direkt in den Kolben spritzt, wo dann das ganze Teufelszeug entsteht: Stickoxide und Feinstaub, Schimpf und Schande.
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Dass ich auf fahrender Betrugssoftware saß, die mein Auto zu einem Stinkmobil machte; dass ich beim Kauf arglistig getäuscht wurde vom VW-Konzern; dass ich hereingefallen war auf Motormanipulateure, ja im Grunde auf den ganzen automobil-industriellen Komplex, der sich wohl seit Jahren beim Kundenbehumsen abgesprochen hat; dass ich in Alexander Dobrindt (CSU), dem selbst ernannten „Minister für Mobilität und Modernität“, nun wahrlich keinen Fürsprecher haben sollte, all das war mir damals nicht klar.
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Als mein VW dann eines Winters vorm Haus geklaut wurde und später Teile davon in einem polnischen Lager auftauchten, war ich immer noch ein VW-Freund. Ja wirklich, ich kaufte mir wieder einen Caddy. Doch dann kam’s knüppeldick. Ein Motorschaden folgte auf den nächsten. Der VW-Händler wollte nur widerwillig zahlen und machte deutlich, dass ihm eines völlig schnuppe ist: Kundenzufriedenheit.
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Zu den Motorschäden und dem – heute insolventen – Autohausbesitzer, der sich mir gegenüber verhielt wie ein Lehnsherr zum Vasallen, gesellte sich nun einer der größten Industrieskandale der Republik: Dieselgate. Mit einem Schlag reduzierte sich der Wert meines VW um mehrere tausend Euro: in zwei Jahren um mehr als 7.000 Euro.
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Weil ich mehr wollte als ein Schummel-Update, nämlich eine echte Lösung des Problems, schrieb ich VW. Antworten bekam ich nie. Ich hatte meine Briefe offensichtlich in tote Briefkästen gesteckt, wo Verbraucheranliegen still verklappt werden. Ich war nicht wichtig.
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Vor ein paar Tagen habe ich übrigens meinen VW Caddy wieder aus der Werkstatt geholt. Der Injektor. Hat nur ein paar hundert Euro gekostet.
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