Am 13.8.2017 at 16:55 , Steinkul sagte:
... steckt eher ein Unbehagen an den wirtschaftlichen Verhältnissen...
Die Angelsachsen haben den Kapitalismus geknackt. Es gibt ihn nicht mehr, so sieht es aus.
Danke schön für Deine Unterstützung und die, gewohnt gekonnte, Übersetzung, Du bringst es auf den Punkt, chapeau.
Unbehagen an den wirtschaftlichen Verhältnissen mag als Symptom unbewußt in meinen Gedanken wabern, gerne, allerdings macht mich mehr dieses überheblich egoistische Selbstverständnis einer Schichtzugehörigkeit überhaupt erst zornig und wütend (monetär oder materiell habe ich wenig bis keine Interessen). Du begründest es in der Erziehung, dem Drill, zum Beispiel der Eliteschulen, dem Zwang zur (Schicht-)Loyalität, da ist Vieles dran. Mich verstört aber vielmehr die Gnadenlosigkeit, das völlige Fehlen von Barmherzigkeit (selbstredend unverdient), die Rücksichtslosigkeit, die auf Kosten von Schwächeren leben läßt. Empathie ist sicher vorhanden, aber nicht, wie wir sie verstehen, sondern negative, die kleinste Schwächen erkennen und ausnutzen lässt; psychopathisch, gefühlskalt, herzlos im emotionalen Sinn, vorteilsnehmend. Und das hat Herrschaft immer ausgezeichnet, nicht erst durch den Kapitalismus. Hier erlaube ich, Dir zu widersprechen, denn, denselbigen halte ich für alles andere als tot. Er mag kurz vor seinem, hoffentlich von mir noch zu erlebenden, Selbstmord stehen. Aber obwohl Diktaturen vergehen und Nationalitäten heute keine wesentlichen Rollen spielen, da bin ich Deiner Meinung, so ist doch die Kriegsgefahr alles andere als gebannt, für mich akut, wie lange nicht. Und zwar nur fürs Kapital, den militärisch industriellen Komplex.
Schiller, kritisch genug sich selbst gegenüber, dichtete (später, nach der Urfassung seiner Ode an die Freude), "alle Menschen werden Brüder", und die französische Revolution nahm die "Brüderlichkeit" zur Basis menschlichen Zusammenlebens als Grundsatz, die philosphisch übertragen ja nichts anderes als die Solidarität, die Unterstützung Schwächerer meint (vor der industriellen Revolution und dem Kapitalismus). Noch gehört es zum Mechanismus der herrschenden Cliquen, die Erkenntnis ihrer Leidensproduktion zu verbieten; sehr schade, aber "klug". So bleibt aktuell der Kapitalismus als die Herrschaft des Toten über das Lebendige; aber vielleicht meinst Du das, wenn Du sagst, er ist "geknackt", tot.
Rein praktisch sehe ich in meinem Bekanntenkreis die allein erziehende griechische Mutter mit vier Kindern. Hoffnungslos überfordert mit ihrer Lebenssituation, ausgegrenzt, klar, natürlich arm, mangelnde Hygiene, unaufgeräumter Haushalt in einer schäbigen Mietwohnung, schläft viel in den Tag hinein. Die älteste Tochter, 18, sehr zart und zerbrechlich wie ein Porzellanpüppchen, super lieb und überangepasst, hat nun auch noch Krätze und darf morgen zur Arbeitsagentur: Unqualifiziert, ohne Abschluß, bleiben schlechtest bezahlte (iss ja nur Frau) Ausbeuterscheißjobs, die sie aus Angst, Druck (Mutter, Gesellschaft) und Hilflosigkeit u. U. annehmen wird.
Und 'n paar rennen rum und haben Spass, so einfach ist das.
Ich schweife ab, Gruß
Wolfgang
Zeitgeschehen
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