Am 22.7.2017 at 10:02 , magoo sagte:
Ich glaube, Elitefeindlichkeit ist eine Sackgasse.
mg
P.S. Ich weiß, die Frage, was man tun kann, bleibt offen. Aber wir müssen das ja nicht in 5 Minuten lösen. ;-)
Ich mag Eliten nicht, bin grundsätzlich dagegen.
Das im Mutterleib werdende Leben weiß zunächst nicht, ob es unter dem krankhaft ehrgeizigen Vater zum Tennisprofi, der die Klatschspalten füllt, gepusht wird, mit seinem Spinnennetzhandy und dunkler Haut elendig im eiskalten Mittelmeer mit 18 absäuft oder als Frau die erbärmlichen, knappen 50 Jahre Lebenserwartung in Bangladesch überhaupt erreichen wird, falls sie vorher nicht qualvoll während ihrer 12 Std Schicht in der Textilfabrik verbrennt. Wenn Daniel Bahr, den kennt heut keiner mehr, am 27.6.13 auf Twitter bekannt gab, dass „ gestern unser Töchterchen Carlotta Filippa Amelie zur Welt gekommen ist“, hat er für mich erst mal nicht mehr alle Tassen im Schrank und gibt mir einen weiteren Grund, niemals nicht FDP zu wählen. Dass er seine Tochter mit solch einem Namen das erste Mal vergewaltigt, wird sie merken, wenn sie die überbehütende aber eiskalte Schutzglocke des „das ist ein ganz besonderer Mensch“ das erste Mal verlässt und feststellt, dass andere Mädchen einfach Nicole oder Jacqueline heißen. Zwangsläufig gediehen unter diesem Schutzschirm Menschen, die ihre Persönlichkeitsentwicklung über die anale Phase hinaus nicht abgeschlossen haben dürften und dies mit plärrend kreischenden Ferrari oder Porscheauspuffrohren neben dem 500 PS Flüsterlaster narzisstisch demonstrieren.
Elite bestiehlt Arme, quält, foltert, richtet und verbrennt wehrlose Frauen auf Scheiterhaufen. Elite lügt, hetzt, führt illegale Kriege und tötet feige mit Drohnen. Elite herrscht nicht nur über den Markt, sondern über den Alltag. Herrschen geht nur mit Unterdrückung, Einschränken der Freiheit, Einschränken des Geistes, mit Meinungsmanipulation.
Wenn diese Handvoll Großkopferten ihre Funktionselite, ich kann mir zum Beispiel Jean Claude Junker, Volker Kauder als Sprachrohr vorstellen oder auch Kirchenfürst Kardinal Meisner trau (t)e ich das zu, Sprechblasen über faschistische Elitenkritik zur Volksverdummung ausbringen lassen, hat das zwei Gründe: Einmal soll ich die Schnauze halten, denn DAS Argument ist ja „Faschist“ und jeder lugt ängstlich u schweigt u zweitens soll es die alte Gesellschaftsordnung der sieben Totsünden um eben eine befreien und wieder salonfähig machen, akzeptieren und danach leben lassen. Maßlose Habgier ist der neue Gott alten Stils. Faschismus konnte übrigens immer gut sein grauenhaftes Wirken als bloße Propaganda der Gegenseite darstellen, da hast Du sicher Recht, wenn mir diese Transferleistung gestattet ist.
Deinen Schluß, „die Frage, was man tun kann, bleibt offen“ (als Lösungsansatz) billige ich für mich so nicht. Den ersten Schritt hast Du schon getan, ich schmücke nur noch aus. Dann entsteht ein Feindbild und Deine Sackgasse ist überhaupt keine mehr, denn der Gegner wird greifbar, Ursachen bleiben nicht mehr mystisch und oder sind vom Himmel gefallen. Eine eigene Meinung bilden hilft enorm und dann mit anderen diskutieren. Stell also Dein Licht nicht untern Scheffel, Eliten gehören für mich in die Mülltonne der Geschichte, auch und erst recht nach 60.000 Jahren.
Empfehlen darf ich Steinkuls weiter oben ins Spiel gebrachten Dostojewski (der ist zwar auch schon was älter - ich glaub allerdings nicht an Gott, wie der, hab ja die Habgier): „Der Großinquisitor“, nur lumpige knappe 40 Seiten, schaffst Du in einer halben Stunde, hat oder besorgt jede Dorfbücherei. Es geht immer um das Gleiche: Freiheit oder oben und unten; Maschine, Funktion, Gleichschaltung, Faschismus oder Geist, freier Geist. So bleibt als einfachste, praktischste und friedlichste Lösung:
Selber denken.
Elite taugt nun mal nix. Gar nix. Anbetung auch nicht.
Selber tun können wir viel. Wählen gehen und vorher überlegen, wer die letzten 40 Jahre wessen Interessen vertreten hat (kann natürlich dazu führen, wenn alle „richtig“ ihr Kreuz machen, dass unsere Lobbykratie freie Wahlen verbietet). Dann sollten wir die umfassende Kommerzialisierung der Gesellschaft und des Alltags zurückdrehen; das geht übrigens nur bei uns selbst bzw. fängt da an. Nebenbei die anerzogene und eingetrichterte Angst, vor was weiß ich alles, endlich abschütteln, vergessen. Wenn Du dann noch der „Schwächere“ sein kannst, Dir verlieren nix ausmacht und Solidarität ohne „Investitionsabsicht“ lebst, verweigerst Du bereits den homo oeconomicus und bist auf dem Weg in eine bessere Zeit.
Bildung ist elitär – ich lach mich kaputt. Du bist also Elite?
Liebe Grüße
Wolfgang
Zeitgeschehen
Aucun commentaire:
Enregistrer un commentaire